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Tansania

Homosexualität ist in Tansania per Gesetz seit dem Jahr 1945 verboten. Das tansanische Strafrecht handhabt homosexuelle Handlungen als sogenannte „Verstöße gegen die Moral (offences against morality)“. In einem allgemein formulierten Passus ist die Rede von einem „körperlichen Wissen (carnal knowledge) gegen die Ordnung der Natur“ (Tanzania Penal Code, Section 154), das unter Strafe steht. Laut Gesetzestext wird dies mit bis zu 40 Jahren Gefängnis bestraft (Section 154).1 Das Deutsche Auswärtige Amt sowie Artikel diverser deutscher Medien berichten von bis zu 30 Jahren oder sogar lebenslangen Gefängnisstrafen.2 Auch der Versuch, zu einem solch „körperlichen Wissen“ zu gelangen, wird dem tansanischen Gesetz zufolge mit einer bis zu siebenjährigen Freiheitsstrafe geahndet (Section 155).3

Dass von dem Gesetzestext auch LBTQIA-Menschen betroffen sind, ist anzunehmen – aber nicht ausdrücklich formuliert. Explizit richtet sich das tansanische Recht allerdings in einem weiteren Passus an Männer, die mit anderen Männern „grobe Unanständigkeiten (gross indecency)“ ausführen oder zu solchen verleiten. Dementsprechende Handlungen können für Männer laut Gesetz eine bis zu fünfj.hrige Haftstrafe zur Folge haben (Section 157).4 Frauen werden hier nicht erwähnt. Die britische Regierung nennt Händchenhalten oder Küssen in der Öffentlichkeit zwischen zwei Männern als Beispiele für homosexuelle Handlungen, die zu Verhaftungen führen können.5

Das Auswärtige Amt betont, dass Menschen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit, die sich in Tansania aufhalten, von den sehr hohen Strafen nicht ausgenommen sind. Deshalb empfiehlt die Behörde ausdrücklich, sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Internet, etwa durch Postings auf Social-Media-Plattformen, „besondere Zurückhaltung zu üben“.

Paul Makonda, der 37 Jahre alte Gouverneur der Stadt Dar-es-Salam, der bevölkerungsstärksten Stadt Tansanias, hat gegen Ende des Jahres 2018 eine Liste mit den Namen 200 homosexueller Männer erstellt. Laut einem Artikel der Wochenzeitung Die Zeit hat Makonda die Bevölkerung dazu aufgerufen, die Namen angeblich homosexueller Menschen einzureichen. Von den zum damaligen Zeitpunkt eingereichten 19 000 Namen habe er eine Liste mit 200 Menschen ausgearbeitet, wie es weiter heißt. Sollte sich deren Homosexualität beweisen lassen, so würden sie angeklagt.6
In dem Zuge dieser Hetz-Kampagne wurde auch die Verteilung von wasserbasierten Gleitgelen verboten, so der „World Report“ von Human Rights Watch aus dem Jahr 2018. Gleitgele reduzieren unter anderem das Risiko, sich beim Geschlechtsverkehr kleine Verletzungen zuzuführen, über die Krankheiten wie HIV übertragen werden können.7 In einem allgemein formulierten Passus des tansanischen Strafrechts ist die Rede von Material, das darauf abzielt, „die Moral zu verderben ( to corrupt morals)“ – die Verbreitung und der Verkauf solcher Waren ist verboten und wird mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft (Section 175).8

Im Jahr 2002 wurde laut einem Bericht der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA) ein Gesetz verabschiedet, das die Registrierung von NGOs verbietet, sofern deren Aktivitäten „nicht im öffentlichen Interesse sind oder einem geschriebenen Gesetz widersprechen“. Das betreffe viele Organisationen, die homosexuelle Männer beraten. Der ILGA‑Bericht stammt aus dem Jahr 2017.9

1 Deutsches Auswärtiges Amt: Tansania – Reise- und Sicherheitshinweise (bit.ly/2CKnsLX)
2 GOV.UK: Foreign Travel Advice: Tanzania (bit.ly/2OwXm3H)
3 ILGA: State Sponsored Homophobia – Report, 12th Edition, May 2017 (bit.ly/2jmaVnI)
4 Die Zeit: Homophobie – 200 angeblich Homosexuellen droht in Tansania Strafverfolgung (bit.ly/2WyacS8)
5 Human Rights Watch: World Report 2018, Tanzania Events 2017 (bit.ly/2WyauII)
6 UN: Tanzania Penal Code (bit.ly/2TGNDsG)

Text: Johanna Feckl